Torino: Meister der Wiederauferstehung

Eine Tragödie beendete die erfolgreichste Zeit von Torino FC, doch der Verein, der aus abtrünnigen Juventus-Spielern entstand, hat sich nie lange unterkriegen lassen.

Torino ist wieder zurück und auf der Jagd nach dem ersten europäischen Titel
Torino ist wieder zurück und auf der Jagd nach dem ersten europäischen Titel ©AFP/Getty Images

Nach 21-jähriger Abwesenheit ist Torino FC zurück auf der internationalen Bühne. Vor dem Duell im Sechzehntelfinale gegen Athletic Club hat sich UEFA.com etwas näher mit der Vereinsgeschichte der Italiener befasst.

Gegründet: 1906
Spitznamen: Toro (der Stier), Granata (die Kastanien)

Erfolge in UEFA-Vereinswettbewerben (Finalteilnahmen in Klammern)
• UEFA-Pokal: (1992)

Nationale Erfolge (letzte Erfolge in Klammern)
• Meisterschaft: 7 (1975/76)
• Coppa Italia: 5 (1992/93)

• Torino entstand nach einer Meinungsverschiedenheit bei Juventus. Der Verein wurde 1906 gegründet, nachdem ein paar abtrünnige Juve-Mitglieder ihre eigene Mannschaft formen wollten. Am 3. Dezember kamen die 23 Gründungsmitglieder im Lokal Voigt zusammen, um den Klub, der ursprünglich Foot Ball Club Torino hieß, ins Leben zu rufen.

• Nur sieben Vereine haben mehr Spielzeiten in der Serie A gespielt als Torino. Seit 1929/30 waren die Granata in 70 der 82 Erstligasaisons dabei.

• Torino bestreitet seine Heimspiele im Stadio Olimpico - das ehemalige Stadio Comunale, welches für die Olympischen Winterspiele 2006 renoviert wurde. Das Stadio Filadelfia, wo man sechs Meisterschaften feiern konnte, wurde 1949 verlassen.

• Torino stellte eine der besten Mannschaften in den 1940er Jahren. "Il Grande Torino" gewann damals fünf Meistertitel hintereinander und blieb ab Januar 1943 ganze 100 Spiele hintereinander ungeschlagen.

'Grande Torino' am Abend vor der Superga-Katastrophe
'Grande Torino' am Abend vor der Superga-Katastrophe©Getty Images

• Valentino Mazzola war der größte Star jener Zeit. Der Mittelfeldspieler war dafür bekannt, in schwierigen Phasen eines Spiels seine Ärmel hochzukrempeln und spornte damit seine Teamkollegen an. Mazzolas Sohn Sandro war Leistungsträger bei FC Internazionale Milano, als "Grande Inter" in den 1960ern zweimal den Pokal der europäischen Meistervereine gewann.

• Am 4. Mai 1949 kam die gesamte Mannschaft von Torino bei einem Flugzeugunglück ums Leben. Auf der Rückreise von einem Freundschaftsspiel bei SL Benfica zerschellte die Maschine am Berg Superga in der Nähe von Turin. Die Superga-Katastrophe bleibt in Turin und im italienischen Fußball unvergessen. Zu Ehren der Verstorbenen gibt es sogar ein berühmtes Sprichwort: solo il fato li vinse (Nur das Schicksal konnte sie bezwingen).

• Mit Luigi Meroni, Spitzname "La Farfalla Granata" (die Schmetterling-Kastanie), kam am 15. Oktober 1967 ein weiterer Star der Mannschaft ums Leben. Der "italienische George Best", ein Exzentriker, der zwischenzeitlich ein Huhn an einer Leine spazieren führte, kam bei einem Autounfall ums Leben.

• Beim letzten Gewinn der Meisterschaft im Jahre 1976 konnten es die Fans vor Spannung kaum noch aushalten. Nach einem fulminanten Lauf im Frühling beendete man die Saison auf den letzten Drücker mit zwei Punkten Vorsprung vor Juventus. Die Stars der Mannschaft von damals: Claudio Sala und die Stürmer Francesco Graziani und Paolino Pulici – 'I Gemelli del Gol' (die Tor-Zwillinge), die es in jener Saison zusammen auf 36 Treffer brachten. Mit 172 Toren in 436 Partien ist Pulici weiterhin erfolgreichster Torschütze in der Vereinsgeschichte.

Gianluigi Lentini im Finale des UEFA-Pokals 1992
Gianluigi Lentini im Finale des UEFA-Pokals 1992©Getty Images

• Im Jahr 1992 zog der Verein zum einzigen Mal in ein Endspiel eines UEFA-Vereinswettbewerbs ein. Nur drei Jahre nach dem Abstieg aus der Serie A konnte sich Torino im UEFA-Pokal 1991/92 gegen Boavista FC und Real Madrid CF durchsetzen, unterlag im Finale jedoch aufgrund der weniger geschossenen Auswärtstore am AFC Ajax.

• Natürlich macht man sich im Verein Hoffnung, in dieser Saison die großen Zeiten von damals neu aufleben zu lassen. Nach einem zweiten Platz in der Gruppe B der UEFA Europa League geht Torino mit viel Selbstvertrauen in das Duell gegen Athletic. Die Mannschaft von Giampiero Ventura kam in der Serie A nur schwerfällig aus den Starlöchern, beim 3:1 gegen Hellas Verona FC am 7. Februar konnte man aber den vierten Sieg in Serie bejubeln. Dies ist Torino seit dem Gewinn des Scudetto vor fast 40 Jahren nicht mehr gelungen.